Vor allem
Es ist ein Septemberabend.
Das Wetter hat den ganzen Tag nicht gewusst was es will — Regen, dann Sonne, dann Wind, dann wieder Regen, und jetzt, kurz vor acht, ist es einfach grau und still und die Luft riecht nach dem was kommt, nicht nach dem was war.
Sie steht am Leuchtturm weil der Bus zwanzig Minuten Verspätung hat und der Leuchtturm der einzige Ort ist der nicht nach gestrigem Regen riecht.
Er steht am Leuchtturm weil er immer hier steht wenn er nicht weiß wo sonst.
Sie kennen sich nicht.
Sie stehen nebeneinander und schauen aufs Wasser und sagen nichts.
Das Wasser macht sein Geräusch.
Er sagt irgendwann: der Bus hat Verspätung.
Sie sagt: ich weiß.
Er sagt: zwanzig Minuten mindestens.
Sie sagt: ich weiß.
Er sagt nichts mehr.
Sie auch nicht.
Das Wasser macht sein Geräusch.
Nach einer Weile dreht sie sich um und schaut ihn an. Nicht lange. Nur so — die Art wie man jemanden anschaut wenn man wissen will ob er das ist was er scheint.
Er schaut zurück.
Er hat dunkle Augen. Ruhige Augen. Augen die nicht fragen aber auch nicht wegsehen.
Sie dreht sich wieder zum Wasser.
Sie heißt Lena.
Er heißt Paul.
Das erfahren sie später, auf dem Bus, als der Bus endlich kommt und sie nebeneinander sitzen weil alle anderen Plätze schon weg sind.
Nicht weil einer von ihnen es so wollte.
Einfach: der nächste freie Platz.
So fangen Dinge an.