Leseprobe · Bastian Brexner

Wegklang · Die Trilogie

Der Ungedrehte · Zugstark · Toma
Buchcover Wegklang · Die Trilogie

Ein Auszug aus Wegklang · Die Trilogie.
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Zugstark

Kapitel 0 · Der Leuchtturm

Vor allem

Es ist ein Septemberabend.

Den ganzen Tag haben Regen, Sonne und Wind gewechselt. Jetzt, kurz vor acht, liegt das Wasser grau unter dem Himmel.

Sie steht am Leuchtturm, weil der Bus zwanzig Minuten Verspätung hat. Unter dem Vordach der Haltestelle tropft es noch.

Er steht am Leuchtturm, weil er immer hier steht, wenn er nicht weiß, wo sonst.

Sie kennen sich nicht.

Sie stehen nebeneinander und schauen aufs Wasser und sagen nichts.

Das Wasser macht sein Geräusch.

Er sagt irgendwann: Der Bus hat Verspätung.

Sie sagt: Ich weiß.

Er sagt: Zwanzig Minuten mindestens.

Sie sagt: Ich weiß.

Er sagt nichts mehr.

Sie auch nicht.

Das Wasser macht sein Geräusch.

Nach einer Weile dreht sie sich um und schaut ihn an.

Er schaut zurück.

Er hat dunkle Augen. Als sie ihn ansieht, bleibt sein Blick bei ihr.

Sie dreht sich wieder zum Wasser.

Sie heißt Lena.

Er heißt Paul.

Das erfahren sie später im Bus. Er hat sich auf den letzten freien Doppelplatz gesetzt; sie bleibt neben ihm stehen, bis er seine Tasche vom Sitz nimmt.

Der Bus fährt die Küstenstraße entlang. Rechts das Meer, dunkel jetzt, kaum noch sichtbar, nur das Geräusch, wenn man das Fenster einen Spalt öffnet. Links die Felder.

Er öffnet das Fenster einen Spalt.

Das Geräusch kommt rein.

Sie hört das. Schaut ihn an.

Er schaut geradeaus.

Er lächelt kurz, als sie sich zu ihm dreht.

Sie schaut wieder geradeaus.

Das Geräusch ist zwischen ihnen.

Viel später hat Lena einmal versucht, von diesem Abend zu erzählen. Sie kam immer wieder auf das geöffnete Fenster zurück.

Für die Ewigkeit war es nicht.

Paul

Paul lässt das Fenster offen.

Er hat gesehen, wie sie den Kopf zum Geräusch des Wassers gedreht hat. Jetzt schaut sie geradeaus. Vielleicht ist ihr kalt. Er könnte fragen, aber er möchte noch eine Weile so sitzen.

Sie steigen an verschiedenen Haltestellen aus.

Sie sagt: Tschüs.

Er sagt: Tschüs.

Als Lena aussteigt, hebt sie vom Gehweg aus die Hand. Paul sitzt noch am offenen Fenster, bis der Bus anfährt.

Lena

Drei Wochen später stehen sie wieder am Leuchtturm.

Paul ist früher gekommen als beim letzten Mal. Lena steht schon dort.

Sie stehen nebeneinander.

Das Wasser macht sein Geräusch.

Er sagt: Ich hab gewusst, dass Sie hier sind.

Sie sagt: Ich auch.

Kurze Pause.

Er sagt: Das ist vielleicht seltsam.

Sie sagt: Das ist vielleicht einfach so.

Was daraus wird, ist eine Geschichte, die nicht diese Geschichte ist.

Ein Jahr, vielleicht zwei. Ein Kind. Später werden sie sich trennen.

An jenem Septemberabend wissen sie nichts davon.

Der Bus, der Verspätung hatte, fährt die Küstenstraße entlang.

Zwei Menschen, die nebeneinander sitzen. Am offenen Fenster bewegt sich Lenas Haar.

Ende dieses Auszugs
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