Leseprobe · Bastian Brexner

Heureka Trilogie II

Bände IV–VI · Das tragende Haus · Andy & Die Philosophen · Thadeus im Inferno
Buchcover Heureka Trilogie II

Ein Auszug aus Heureka Trilogie II.
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Thadeus im Inferno

1. DAS BETT

Das Bett war absurd groß. Vier mal vier Meter, ein handgeschnitzter Mahagonirahmen, zwölf Kissen, die beim Zubettgehen von der Mitte weggeräumt werden mussten. Thadeus Voss lag zwischen den beiden Stapeln und konnte die andere Seite im Dunkeln kaum erkennen.

Seine Frau hatte vor zehn Jahren ein eigenes Schlafzimmer bezogen. Sie lebten noch im selben Haus und trafen sich beim Frühstück. Für den Abend hatten sie keine Verabredung mehr.

Thadeus verschränkte die Hände hinter dem Kopf und begann zu rechnen. Das tat er jeden Abend, seit dreißig Jahren. Die Firma hatte heute 47.000 Euro Umsatz gemacht. Brutto. Achtzehntausend Kosten dagegen, blieben neunundzwanzigtausend. Er ging die Posten durch, bis er den Betrag wieder vor sich hatte.

Morgen wollte er die Praktikantin entlassen. Sie arbeitete zu langsam und fragte zu viel; ihre zwölfhundert Euro würde er einsparen. Schmidt verlangte vermutlich wieder fünf Prozent mehr Gehalt. Zwei konnte er ihm anbieten. Mit den neuen Lizenzen ließ sich ebenfalls etwas machen.

Er griff nach der Creme auf dem Nachttisch, obwohl er sich schon eingecremt hatte, und stellte die Tube wieder hin. Zweihundertfünfzig Euro. Mit achtundfünfzig sah er jünger aus als manche seiner leitenden Angestellten. Daneben lag die Rolex, Listenpreis fünfunddreißigtausend, für zweiundzwanzig gekauft. Die dreizehntausend Unterschied rechnete er sich noch immer an, wenn er sie ablegte.

Andy fiel ihm ein. Andy Voss, mit dem er trotz des Nachnamens nicht verwandt war. Vor drei Monaten hatte der Entwickler gekündigt, ohne dass Thadeus einen brauchbaren Grund aus ihm herausbekommen hatte. Achtunddreißigtausend im Jahr waren kein schlechtes Gehalt gewesen. Thadeus hatte sich die Summe damals noch einmal aus der Personalakte geben lassen.

Sein Vater hätte über die Sache gelacht. „Die meisten Menschen sind schwach. Nutze das.“ Wilhelm Voss war vor fünf Jahren am Schreibtisch gestorben. Ein Herzinfarkt, mitten in der Arbeit. Thadeus hatte diesen Tod bei der Beerdigung einen guten genannt und dabei gesehen, wie seine Frau zur Seite blickte.

Wilhelm hatte die Firma nach dem Krieg aufgebaut. Thadeus war mit seinen Sätzen groß geworden: Geld sei Macht, ohne Kontrolle sei man verloren. Inzwischen besaß der Sohn mehr, als der Vater je besessen hatte. Zehn Millionen, je nachdem, wie man die Beteiligungen bewertete, auch zwölf.

Genug wofür?

Er drehte sich auf die andere Seite. Die Frage kam manchmal, wenn die Rechnungen ihn noch nicht einschläferten. Über ihm verlor sich der Stuck in der hohen Decke. Acht Zimmer und vierhundert Quadratmeter am Rand von Hannover. Er hörte kein Geräusch aus dem Zimmer seiner Frau.

Maximilian lebte in Berlin und machte etwas mit Kunst. Zweimal im Jahr telefonierten sie, an Weihnachten und zum Geburtstag, sofern einer daran dachte. Beim letzten Gespräch hatte sein Sohn gefragt, weshalb er nie anrufe.

„Ich bin beschäftigt.“

„Zu beschäftigt für deinen Sohn?“

Thadeus hatte Ja gesagt. Danach war die Leitung frei gewesen. Er hatte das Telefon eine Weile ans Ohr gehalten und schließlich auf den Tisch gelegt.

Jetzt nahm er die Tageszahlen wieder auf. Siebenundvierzigtausend mal dreihundertfünfundsechzig. Er kam auf 17.155.000 Euro, korrigierte den Ansatz wegen der Wochenenden und ärgerte sich darüber, dass er sich auf diese grobe Rechnung eingelassen hatte. Das Jahresziel lag ohnehin niedriger.

Schmidt zwei Prozent. Die Lizenzen prüfen. Morgen das Gespräch mit der Praktikantin.

Während er die Posten wiederholte, wurden die Abstände zwischen ihnen größer. Er kam noch einmal auf Andy zurück, fand den Betrag aus dessen Personalakte nicht mehr und schlief ein.

Ende dieses Auszugs
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