Ein Mann. Ein Schreibtisch.
Ein Film, den er nie gedreht hat.
I
STRUKTUR
Einstieg · Kontext · das erste Sehen
1 · MÜNCHEN. INNEN. ARBEITSZIMMER. TAG.
Es gibt einen Raum, in dem nichts passiert. Einen Schreibtisch aus dunklem Holz, eine Lampe, die schon einmal besser war, ein Fenster, das nach Westen zeigt und deswegen jetzt, am späten Nachmittag, Licht wie flüssiges Gold hereinlässt. Auf dem Tisch: eine mechanische Schreibmaschine. Daneben: ein leeres Blatt. Daneben: eine Tasse Kaffee, längst kalt.
Bastian Brexner sitzt vor der Maschine. Er ist nicht jung. Er ist nicht alt. Er ist der, der er ist, und das ist bekannt. Haar mit Grau. Ein Pullover, der schon einmal besser war. Die Finger ruhen auf den Tasten, aber sie drücken nichts.
Seit einer Stunde nicht.
·
Er holt Luft. Tippt. Ein einziger Satz.
Auf dem Blatt, das nicht in der Maschine steckt, erscheint der Satz. Nicht auf dem Papier, das leer neben ihm liegt. Im Raum. Als würde der Satz gesprochen, aber es spricht niemand.
„Ein Mann tritt ins Zimmer.“
Bastian hört den Satz, wie man einen Gedanken hört, der nicht der eigene ist. Er schaut auf. Er wartet.
Nichts.
Dann, nach drei Sekunden, die so lang sind wie die, in denen man einen Schuss erwartet, der nicht fällt: Die Tür geht auf.
Ein Mann tritt ins Zimmer. Mitte fünfzig, schmal, trägt einen Wintermantel, obwohl draußen Mai ist. Er bleibt stehen. Er sieht Bastian an. Bastian sieht ihn an. Keiner sagt etwas.
NORTON
Entschuldigung. Ich glaube, ich bin hier falsch.
BASTIAN
Wer sind Sie?
NORTON